Der Verein stellt sich vor

Im Sommer 2005 fanden sich aktive „Ausgräber“ aus Schöffengrund, Braunfels, Solms und Waldgirmes um Heinrich Janke (ehemaliger Bodendenkmalpfleger des Kreises Wetzlar) und Klaus Röttger (Bodendenkmalpfleger des Lahn-Dill-Kreises) zusammen, um den „Verein für regionale Vorgeschichte e.V.“ zu gründen. Nach jahrelanger Zusammenarbeit bei verschiedenen archäologischen Grabungen - zuletzt bei der Notgrabung oberhalb des Steinbruches bei Altenkirchen / Philippstein - bot sich die Möglichkeit in Oberquembach die „Alte Schule“ zu erwerben und diese archäologischen Zwecken zu widmen.

Die Ziele des Vereins für regionale Vorgeschichte gliedern sich in zwei Schwerpunkte

  1. Erhalt, Renovierung, Nutzung und Erforschung der denkmalgeschützten „Alten Schule“ in Schöffengrund - Oberquembach, Usinger Straße 14. Dieses Ziel wurde mit der vollständigen Renovierung des Gebäudes und der Publikation der Bau- und Schulgeschichte im Jahre 2012 erreicht.
  2. Archäologische Aufgaben
    • Forschung, Erhalt und Präsentation von Bodendenkmälern im südlichen Lahn-Dill-Gebiet
    • Museale Aufbereitung archäologischer Funde und Präsentation in der ehem. „Alten Schule“, jetzt „Haus der Vorgeschichte“, in Oberquembach, Usinger Straße 14
    • Unterstützung der archäologischen Forschung in Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege in Hessen, Abteilung Archäologie und Paläontologie und archäologische Öffentlichkeitsarbeit

Mitglieder

Wenn auch die meisten geschichtsorientierten Vereine in ihrem Mitgliederbestand ein relativ hohes Durchschnittsalter haben, so können wir uns darüber freuen, dass auch etliche junge Leute zu uns gefunden haben. Unsere Mitgliederzahl bewegt sich seit einigen Jahren trotz einiger Abgänge (Todesfälle und Austritte) kontinuierlich um die magische Zahl 50, gerade ausreichend, um den laufenden Betrieb zu finanzieren.

Vereinsgebäude

Nach dem Erwerb der „Alten Schule“ im Jahre 2006, einem Stampflehmbau aus dem Jahre 1838, wurde zunächst nach Gesprächen mit der Denkmalpflege, der Bauaufsicht und dem Brandschutz ein Nutzungskonzept erstellt. Die Kurzformel lautete: Vereinsräume im ersten Stock, Ausstellungsräume im Erdgeschoss.

Renovierung der Vereins- und Ausstellungsräume

Eine Gruppe aktiver Vereinsmitglieder begann nun mit der Renovierung. In der ehemaligen Schulstube wurden nach 1950 eingezogene Zwischenwände abgebrochen. Die gesamte elektrische Anlage musste erneuert werden, neue Fenster waren dringend erforderlich und die vorhandene Heizung wurde erweitert. Die Wände wurden teils neu verputzt, teils tapeziert und gestrichen. Letztlich wurden die alten Fußböden aufgearbeitet, Aus den alten, grauen Dielen wurden nach einer fachmännischen Behandlung wunderschöne Dielenböden, die durch ihre natürliche Farbigkeit den Räumen neuen Glanz verleihen.

Bild 1 HdV Haus der Vorgeschichte nach Abschluss der Renovierung (Foto: Küthe)

Eröffnung und Ausstellung

Genau 170 Jahre nach der Einweihung der damals „Neuen Schule“ im November 1838 durch Pfarrer Schaum, der den Neubau maßgeblich initiiert hatte, wurden die neuen Räume im ersten Stock erstmals im November 2008 einer interessierten Öffentlichkeit gezeigt.

2011 konnten wir unsere erste Ausstellung in den neuen Räumen im Erdgeschoss eröffnen. Zum Thema „Getreidemahlen in 8.000 Jahren“ zeigten wir Reib- und Mahlsteine aus verschiedenen Zeiten, die ältesten aus der Bandkeramik, keltische Reibsteine, römische Drehmühlen und einen mittelalterlichen Mahlstein bis hin zu einer modernen elektrische Getreidemühle aus dem 20. Jahrhundert. Daneben waren alle Getreidesorten aus 8.000 Jahren Menschheitsgeschichte zu sehen. Dazu gab es natürlich eine Menge an fachlichen Informationen.

Inzwischen wurde nach mehreren kleineren Ausstellungen im Oktober 2015 unsere bedeutende Dauerausstellung zur mittelalterlichen Eisengewinnung im Lahn-Dill-Gebiet eröffnet. Sie ist regelmäßig geöffnet und erfreut sich bisher großen Interesses.

Bild 2 Ausstellung 2015 Blick in die Ausstellung zur Eisengewinnung (Foto: Küthe)

Vorträge

Zahlreiche Vorträge haben bisher ein interessiertes Publikum nach Oberquembach geführt. Zwischen 2006 und 2015 wurden bisher von namhaften Wissenschaftlern und Fachleuten aus ganz Hessen 30 Vorträge gehalten.

Archäologische Wanderungen

Sie führten zu den Hügelgräbern in Oberquembach, Solms-Oberndorf, Braunfels, den „Schafbuchen“ bei Münchholzhausen, sowie dem Stoppelberg und Bilstein bei Nauborn. Die Ausgrabungen zur Eisengewinnung in der Gemarkung Philippstein, zur Bandkeramik in Oberquembach und zu den archäologischen Relikten im Umfeld des Lahnbahnhofes fanden ebenfalls großes Interesse.

Drei archäologische Wanderungen fanden zur Steinsetzung in der Gemarkung Möttau und der Burgruine Grebenhausen statt.

Eine eher lokale Veranstaltung war die Grenzsteinwanderung an der „Langen Heege“ an der Gemarkungsgrenze von Oberquembach zu Griedelbach und die anschließende Setzung des historischen Grenzsteines der Langen Heege hinter dem Haus der Vorgeschichte.

Ferienspiele

Der Verein hat sich im Zuge seiner Jugendarbeit insbesondere bei der Gemeinde Schöffengrund eingebracht. Kinder sollen vorgeschichtliche Handwerkstechniken kennenlernen und sich auch darin üben können. So hoffen wir, durch erste Kontakte zur Vorgeschichte ihr Interesse an diesen Dingen zu wecken.

Wir bauten einen mittelalterlichen Rennofen zur Eisenverhüttung, buken Brot wie in der Steinzeit, töpferten Figuren und Gefäße wie in der Steinzeit, erstellten Webbilder aus Naturmaterialien und übten römische Kinderspiele.

März 2014 Pflanzung einer Linde (direkter Nachkomme der sogenannten „Gerichtslinde“ von Oberquembach) am Friedhof in Oberquembach

Im Jahre 2006 sammelte das Vereinsmitglied Michel Küthe Samen von der alten Dorflinde (im Volksmund als Gerichtslinde bezeichnet) und säte diese aus. Im Frühjahr 2007 keimten einige davon. Leider entwickelte sich nur eine Pflanze zu einem stattlichen Bäumchen. In der Gemeinde entschied man sich für einen Standort neben der Friedhofshalle in OQb. Gemeinsam mit den Mitgliedern des Ortsbeirats pflanzten wir in Anwesenheit von Bürgermeister Hans-Peter Stock diesen jungen Baum - ein kleiner Beitrag zur Pflege der Tradition in Oberquembach.

Sichtung und Einlagern von archäologischem Fundmaterial

Im September 2014 und Mai 2015 galt es, in einer Großaktion das umfangreiche Fundmaterial des verstorbenen Klaus Röttger grob zu sichten, zu sortieren und einzulagern. Eine weitere Bearbeitung steht noch aus; es wird vermutlich Jahre dauern, bis dies vollständig erfolgt sein wird.

Bücherei

Seit Januar 2015 gibt es Bewegung in dem umfangreichen Buchbestand des Vereins. Seit mehreren Jahren schon sammelten sich Buchspenden zu archäologischen, aber auch anderen geschichtlichen Themen in den Bücherregalen. Inzwischen wird jeden Mittwoch durch bewährte Kräfte in kleinen Schritten der Bestand erfasst, nummeriert und zunächst auf Karteikarten registriert. Die spätere Erfassung durch EDV ist vorgesehen. Interessierte Personen, auch nicht Vereinsmitglieder, können gerne die Bücherei benutzen.

Der Verein hat seit 2006 bisher neun Veröffentlichungen in einer eigenen Schriftenreihe herausgegeben, drei Schriften befassen sich mit der Baugeschichte der „Alten Schule“ und der eigentlichen Schulgeschichte von ca. 1800 bis 1950. Die anderen Schriften behandeln archäologische Themen. Diese Schriften sind beim Verein käuflich zu erwerben.

Der Verein wird versuchen, auch weiterhin ein interessantes Programm zu bieten und hofft auf Interesse an den Veranstaltungen und seiner Arbeit. Weitere Mitglieder sind zur Stärkung des Vereins sehr willkommen.